Kölner Narren-Zunft

Kölner Narren-Zunft von 1880 e.V. · Gebrüder-Coblenz-Straße 1 · 50679 Köln
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Monat: Oktober 2009

Herrentour 2009

Feiern 100 in der VEB-Arena

Dieses Mal sollte es also Oberhof sein! Ein Ort im Nirgendwo, irgendwo tief im Thüringer Wald. Ein Luftkurort, den wohl nur die wenigsten kennen würden, wäre er nicht zugleich auch ehemalige DDR-Kaderschmiede für Skisportler und heute ein gesamtdeutsches Leistungszentrum des Wintersports. Getestet, zertifiziert und für tauglich befunden von unserem Senatsvize Wilfried Braun. Weiterlesen »


KölnMarathon 2009

So weit die Füße tragen …

Unser geliebtes Köln ist bekanntlich ein Schmelztiegel aller Völker und Rassen. West- und Ostfalen prallen hier auf die heimischen Ubier oder treffen hier auf andere Ausländer wie die Niederrheiner, Franken, Türken, Bayern, Griechen, Italiener usw.. Ein stetiges lustiges Durcheinander, das nur durch den alljährlichen Karneval vorübergehend ein wenig geordnet wird. So verwundert es denn auch wenig, dass seit vielen Jahren in der nördlichsten Stadt des römischen Imperiums, in unserer schönen Mutter Colonia also, eine griechische Sportveranstaltung durchgeführt wird, die beinahe regelmäßig von dünnen zähen Menschen vom afrikanischen Kontinent gewonnen wird. Die Rede ist vom Köln Marathon. 42,195 km am Stück. Zu Fuß! Und für den ersten Absolventen dieser Strecke auf dem griechischen Festland seinerzeit absolut ungesund.

Der intelligente Rheinländer, egal woher er kommt, zieht es vor, am Leben zu bleiben. Daher (er)findet er – frei nach dem Motto „et hätt noch immer jot jejange“ – auch bei unüberwindlich scheinenden Hindernissen eine Lösung. So kreierten die Macher des Köln Marathon für den etwas bequemeren Laufsportler vor einigen Jahren den Marathon Light in Form der sog. „Karnevalsstaffel“, die seit diesem Jahr nun den Status der „Kulturstaffel“ verliehen erhalten hat. Dafür wurden dann die Regeln verschärft: Nicht mehr 6 Läufer pro Staffel werden auf den Weg geschickt, sondern nur noch deren 4 laufen nacheinander mit anderen Unentwegten um die Wette.

Seit drei Jahren nimmt auch die Kölner Narrenzunft an dieser Körperertüchtigung teil. Kleine aber feine Gesandtschaften verstanden und verstehen es noch immer, der KNZ den Ruf zu verschaffen, dass nicht nur gemütliche Dickerchen den Karneval optisch prägen, sondern die schönsten Männer Kölns auch per pedes eine ansehnliche Figur abgeben.

Im Jahr 2009 war jedoch vieles anders. Einige der Herrschaften entdeckten mit der wachsenden Begeisterung am Laufsport auch den Ehrgeiz. Der Halbmarathon war für etliche derer, die zuvor unsere Staffeln verstärkt hatten, das nächste olympische Karriereziel. Damit sank die Zahl der Bewerber um die Staffelplätze erstmals. Dann meldeten sich einige der früheren Staffelteilnehmer fußkrank. Wiederum einige, die das Laufen eher aus therapeutischen Gründen beschnuppert hatten, hatten genug von der Plackerei und stellten vom gediegenen Trab auf Standbetrieb um. Und zuguterletzt kam uns auch noch unser bisheriger Maitre de Plaisir Marathoni-Jupp verletzungsbedingt als Läufer und als Organisator abhanden. Also musste ein neuer Chef de run her und die Wahl fiel einstimmig (mit der Stimme von Marathoni-Jupp) auf den Berichterstatter. Damit wurde es auch bei uns „international“: Appelsine-Funke, Rote Funken und sogar freilaufende Colombinen gesellten sich zu unseren Lauftreffs, die an 3 wechselnden Orten (Grüngürtel ab Adenauer Weiher, Brücker Wildpark und Merheimer Heide) ausgetragen wurden. So manches Mal waren auch Nichtkarnevalisten herzlich willkommene Teilnehmer unserer Runden. Ein Glücksgriff, wie sich später noch herausstellen sollte…

Wie sagten die alten Römer schon so schön: mens sana in corpore sanella – ein gesunder Geist wohnt in einem geschmeidigen Körper. Frei nach diesem Motto wurde in der narrenzünftigen Sportgemeinde ab dem Frühsommer nicht nur fleißig gelaufen, sondern auch begierig gelesen. In wöchentlichen Rundmails konnten die Laufinteressierten der KNZ und befreundeter Gesellschaften, die das Glück hatten, auf dem Verteiler zu stehen, elektronisch erfahren, in welchem Naturpark es zu schwitzen galt, wie das Wetter werde, wie hoch der Verletztenstand sei und wie es beim vergangenen Lauftreff abging. Die Schlagzahl der Mails erhöhte sich – schon aus organisatorischen Gründen – bis zum Saisonfinale immer mehr, galt es doch einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. So mussten z. B. diverse kleinere Schicksalsschläge wie spontane Teilnahmeabsagen aus Verletzungsgründen oder wegen einer urplötzlich in der Erinnerung eines planmäßigen Staffelteilnehmers aufgetauchten Urlaubsabwesenheit 1 Woche vor dem Marathontermin, auch elektronisch kompensiert werden. Die Räumlichkeiten für den Nachdurst mussten gebucht werden, die Anzahl der Teilnehmer an der Nachfeier veränderte sich beinahe stündlich, kurz: es blieb spannend.  Noch am Abend vor dem Start erfolgte dann die letzte Absage eines Staffelkollegen, der lieber mit Angina – oder wie die Dame auch immer hieß – im Bett liegen wollte, anstatt sich über die Strecke zu quälen.

Doch dann war er da, der Tag des Herrn! Am Sonntag, den 04.10.2009, meldeten sich etwa 20 Staffelteilnehmer, Helfer und Helferinnen bei unserem Senator Herbert Schäfer und seiner lieben Frau Angelika, die es sich erneut nicht hatten nehmen lassen, die Schwerathleten der KNZ und deren Tross zu einem kräftigenden Frühstück über den Dächern von Deutz einzuladen. Da es sich um einen offiziellen Termin handelte, war auch die Presse nicht fern. Nach dem Schmaus schoss unser Hoffotograf Armin Heinevetter die ergreifendsten Bilder, die man je von laufenden Senatoren hat erblicken können, und schickte uns dann auf den Weg zum Starbereich vor dem Deutzer Bahnhof.

Jeder der Teilnehmer ahnte: Es kann nur schlimmer werden. Und die Ahnung wurde zur Realität. Denn dort zeigte sich wieder einmal, welchen Stellenwert der gemeine Kulturstaffelläufer hat, wenn er nicht Sabrina Mockenhaupt oder Jürgen Roters heißt. Er wird nämlich nicht nur nicht wahrgenommen. Er wird nicht einmal registriert. Nachdem wir im Startbereich alle wichtig aussehenden Menschen (einschließlich des Veranstalters) befragt hatten wo denn bitte die Kulturstaffeln sich zum Abflug einchecken dürften, stellte sich heraus, dass der Organisator des Köln Marathon die Kulturstaffeln  schlicht vergessen hatte. Was nun? Geschmeidig wie immer, wurde rasch ein gentlemen’s agreement getroffen: Wir passen vielleicht auf keine Liste, aber wir passen auf die Piste. Da unsere 3 Staffeln ja angemeldet und die Startgebühren bezahlt waren, wir überdies unsere elektronischen Zeiterfassungs-geräte aktiviert hatten und rechtzeitig am Start waren, durften wir und alle anderen Kulturstaffeln starten, ohne auf den Startlisten „abgehakt“ zu werden. Das gibt’s auch nur am Rhein. Kölle Alaaf!!!

Um 11.30 Uhr fiel der Startschuss für unsere drei ersten Läufer. Wir hatten 3 Staffeln an den Start geschickt, wobei die Zielsetzungen recht unterschiedlich waren. Die Läufer der Staffeln  KNZ II und KNZ III, unter den Startnummern 81 und 82 antretend, sollten gemeinsam und gesund ihr jeweiliges Etappenziel erreichen. Die Läufer der schnelleren Staffel KNZ I aber, mit der historischen Start-Nr. (18) 80 angetreten, wollten – noch weit wichtiger – insgesamt nach Möglichkeit vor der schnellsten Staffel der Colombinen das Ziel erreichen, weil wir seit dem Marathon des Jahres 2008 da noch eine Rechnung offen hatten. Und schließlich wollten wir alle dem staunenden Köln das Motto unserer altehrwürdigen Gesellschaft näher bringen, das da lautet „KNZ – Keine Nacht Zuhause“. Also traten wir Nachtschwärmer in weißen „Smoking“-Laufshirts mit aufgedruckter Fliege, schwarzen Hosen und einem kleinen schwarzen Bowler-Hut an, den eine Banderole mit eben unserem Motto schmückte. Nä wat herrlisch! Die Kommentar der Damen an der Strecke waren dann auch voll des Entzückens, sie reichten von „Guck mal, da läuft Pan Tau“ bis „Der ist aber auch schön!“. Tausende von Kameras wurden am Wegesrand gezückt und den schönsten Männern von Köln entgegen gereckt. Tausende Private, aber ums Verrecken keine Kamera der örtlichen Journaille. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Während die Regionalpresse den karnevalistischen Tiefschlaf zu bevorzugen schien, hatte immerhin Petrus seinen Spaß an uns. Nachdem zu Tagesbeginn üble Regenwolken nichts Gutes verhießen, riss nach dem Staffelstart erst zögerlich, dann jedoch umso konsequenter die Wolkendecke auf, bis schließlich die Schlussläufer der Staffeln bei strahlendem Sonnenschein die letzte und zugleich längste (ca. 12 km) Teilstrecke erleben durften. Dem Berichterstatter als Schlussläufer mit der Nummer (18) 80, leicht vorgeschädigt durch eine kulinarische Eskapade des Vorabends, hätte ein wenig weniger Sonnenschein auch gereicht. Doch wir waren ja nicht gelistet und hatten daher auch bei dieser Frage kein Mitspracherecht. Die Sonne zauberte aber auf die Gesichter der zahlreichen leckeren Mädcher am Wegesrand so manch reizendes Lächeln, das für die Plackerei auf der Strecke allemal entschädigte.

Die Schlussetappe hatte einige Besonderheiten, die bei dem Durchschnittsjogger eine gewisse mentale Festigkeit voraussetzten.
Der Durchschnittsjogger freut sich schon beim Start darauf, hoffentlich bald das Ziel zu erreichen. Das Ziel lag bekanntlich auf der Schäl Sick. Der Start zur Schlussetappe erfolgte linksrheinisch. Nach der Friedrich-Karl-Straße leitet uns der Streckenverlauf jedoch nicht etwa in Richtung Deutz, sondern stadtauswärts in Richtung Düsseldorf. Das war schon der erste Schock. Unweit der Stadtgrenze wurden wir dann zurückgeschickt in Richtung Rhein. Gott sei Dank!
Schon bald nahte Schock Nr. 2. Denn nun kamen uns auf der Gegenfahrbahn Horden von Marathonis entgegen, mit verzerrten und verschwitzten Gesichtern, und erweckten den Eindruck, dass wir gleich erneut umgeleitet werden sollten und auch noch diese Strecke zurück kaufen müssten. Diese psychische Qual endete erst am Rudolfplatz, wo  der Gegenverkehr erlahmte und die Strecke eindeutig zu Neumarkt und Rhein führte. Hallelujah!
Am Rhein wartete – nicht völlig überraschend – Schock Nr. 3 in Form der Deutzer Brücke. Diese ist bereits architektonisch von eher unterdurchschnittlicher Schönheit. Aber sie ist vor allem eines: Verdammt steil. Wer jedoch ins Ziel wollte, musste den steilen Anstieg der Brückenrampe über sich ergehen lassen. Und erneut war es eine göttliche Fügung, die ein wenig Linderung verschaffte. Ein für den Berichterstatter gütiges Schicksal schickte einem knapp vor ihm laufenden Athleten eine massiven Krampf in eines seiner gepeinigten Beine, so dass dieser vor Schmerz aufschrie und an sich an die Mittelleitplanke klammerte. Dies war die einzigartige Chance, ohne Gesichtsverlust anzuhalten, dem Gebeutelten durch einige Fußverrenkungen zu helfen und danach etwas weniger atemlos als zuvor auch den Rest der Brücke bis zum Ziel zu bewältigen. Puh!

Unmittelbar vor dem Ziel tauchte plötzlich ein bekanntes Gesicht breit grinsend hinger dr Britz, nämlich über der Betonumfassung der KVB-Haltestelle der Linie 3, auf. Mit lauten Anfeuerungsrufen setzte Werner Brauckmann die allerletzten Reserven des Berichterstatters frei. Mensch, war die Freude groß! Endlich im Ziel, endlich ein Getränk! Und dort warteten auch schon einige der KNZ-Helfer und fingen die strauchelnden Schlussläufer mental und physisch auf. Danke!

Den Ausklang fand dieser ereignisreiche Tag im Bierhaus en dr Salzgass, dem Domizil unseres heute noch designierten, aber in wenigen Tagen bereits proklamierten Prinzen der Session 2010, Markus Zehnpfennig. Bei gepflegten Getränken und stärkenden Speisen setzte sich schon bald die Gewissheit durch, dass die KNZ alle gesteckten Ziele mehr als erreicht hatte. Alle Teilnehmer – egal ob Läufer, Helferinnen, Helfer oder KNZ-Zaungäste – hatten gesund das eigentliche Ziel, nämlich das Bierhaus en dr Salzgass, erreicht. Alle hatten gute Laune. Und alle waren ein wenig müde, aber auch stolz auf ihre Leistung über den Tag hinweg.
Als die wenigen Halbmarathonis der KNZ zu uns stießen und unseren Kreis veredelten, kannte auch die Freude unseres Bannerhären Thomas Brauckmann keine Grenzen mehr.
Schließlich und mit angemessenem zeitlichem Abstand erschien auch die erwartete Abordnung der Colombina Colonia in unserer Ruhmeshalle. Damit war dann auch endgültig die Frage beantwortet, ob wir (KNZ I) schneller waren als die karnevalistischen Damen. Wir waren (o. k., die CC war durch einen Zehenbruch etwas gehandicapt)! Zwar nur knapp 1 Stunde. Aber immerhin! Der Stolz über dieses Resultat schlug sich in manch bewegter Rede nieder, bei denen besonderer Dank den HelferInnen und Sponsoren galt (Dieter Herkenrath hatte das Gros des Trikotsponsoring übernommen, der Senatsvorstand die Startgebühren). Entgegen anders lautenden Gerüchten war auch bei der Mailkorrespondenz des Bericht-erstatters kein Rechner zusammengebrochen, so dass alle rundum zufrieden sowie leicht beschwingt am Abend den Weg nach Hause und auch irgendwann in die Federn fanden. Ein tolles Event! Und nochmals vielen Dank an alle, die in irgendeiner Form dazu beigetragen haben, dass dieser Tag der KNZ wieder einmal ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis beschert hat.

Noch ein wenig Statistik gefällig? Na gut! Gemeldet hatten 141 Kulturstaffeln. In die Wertung kamen deren 124. Die schnellste Kölner Karnevalsstaffel war die Staffel KNZ I (Holger Jülich, Stefan Knepper, Jürgen Koenen, Ralf Kruchen) auf Platz 13 in 3:35:06 Stunden. Den Sonderpreis für den schönsten Paarlauf erhielten die Teilnehmer der Staffeln KNZ II (Frank Golombek, Fritz Hess, Harry Pahlke, Martin Saurbier) und KNZ III (Markus Hess, Andreas Schäfer, Klaus Schlimm, Karl Tutt.). Der schnellste Halbmarathoni der KNZ war Thomas Salz in 1:51:02 Stunden, aber auch Helmut Schneider und Rainer Bramer erreichten tapfer ihr Ziel. Respekt! Und im nächsten Jahr nehmen wir einen neuen Anlauf, vielleicht einmal Platz 1 der Gesamtwertung zu erringen. Alaaf!